Bürgerradio

Aufbau eines öffentlichen bürgernahen Radiosenders für Sobradinho

Die Idee eines Bürgerradios äußerte Paulo Ferreira, Gewerkschaftsmitglied und engagiertes Mitglied der katholischen Kirchengemeinde von Sobradinho, erstmals im August 1997 gegenüber seinem deutschen Freund aus Wachtendonk. Schon Ende desselben Monats gründete Ferreira den „Verein für Gemeinschaftskommunikation von Sobradinho“ (ACCS). GebäudeBürgerradio

Die Voraussetzungen für einen dreimonatigen Testlauf des Radiosenders waren nicht schlecht. Denn bei der Besprechung seines Vorhabens mit dem Bischof zeigte sich dieser von einem Bürgerradio sehr angetan. Er stellte für den Testlauf sogar alles in seinen Mitteln Stehende zur Verfügung: einen Sender und eine Antenne. Die noch fehlenden Geräte für eine Minimalausstattung des Sendestudios schaffte Ferreira mit der prompten finanziellen Unterstützung der katholischen Kirchengemeinde aus Wachtendonk an. So konnten Ferreira und seine Mitarbeiter schon drei Monate nach der ersten Äußerung der Idee eines Bürgerradios mit dem Sendebetrieb beginnen. Am 10. November 1997 um 17 Uhr Ortszeit lief die erste Sendung über den Äther. Die Mitarbeiter des Radios, alles Ehrenamtliche, konnten sich von Anfang an über die hohe Beliebtheit ihres Programms freuen. Der Sender fand bei seinen zahlreichen Hörern in Sobradinho selbst (ca. 20.000 Einwohner) und im Interior, dem Umland von Sobradinho, großen Anklang. Für die Menschen, die im Umland wohnen, und bei der hohen Zahl von Analphabeten ist ein Bürgerradio als unabhängige Informationsquelle von besonderer Bedeutung, da Telefone kaum vorhanden sind.

PlakatBürgerradioEinleitung des  Genehmigungsverfahrens

Wegen des Erfolges stellte der Sender auch, als die drei erlaubten Monate Testlauf vorüber waren, seinen Betrieb nicht ein, obwohl jetzt eine Genehmigung nötig gewesen wäre. Erst Mitte 1998 ließ der „Piratensender“ seine Tätigkeit ruhen, um bei der ANATEL, der nationalen Behörde für Telekommunikation, eine Genehmigung zu beantragen. In der Zwischenzeit musste ACCS um sein angemietetes Sendestudio bangen, da das Haus verkauft werden sollte. Um zu vermeiden, dass durch eine Adressänderung des Senders ein neuer Genehmigungsantrag erforderlich wurde und sich das Genehmigungsverfahren dadurch weiter verzögerte, stellte Globale Nachbarschaft im Jahr 2002 1.000 EURO für den Gebäudekauf zur Verfügung. In der Hoffnung auf baldige Genehmigung und zur Erfüllung von Vorgaben der ANATEL unterstützte Globale Nachbarschaft ACCS in den Folgejahren mit Zuschüssen zu anfallenden Gebühren, zur Ergänzung von Ausstattungsgegenständen, zur Zahlung von Steuern und einer Konzessionsstrafe. Im Jahr 2007 entschied sich ACCS, gerichtliche Schritte zur Erlangung der Sendegenehmigung einzuleiten. Dies wurde im April 2011 – nach 10 Jahren des Wartens – endlich mit Erfolg gekrönt. Die Genehmigung zum Sendebetrieb wurde für 10 Jahre erteilt.

ACCS ist dem Projekt – trotz der langen Wartezeit – treugeblieben und kann sechs ehrenamtliche Kräfte für den Sendebetrieb einsetzen. Auch die CHESF wird durch Bereitstellung des Gebäudes und eines Computers das Bürgerradio unterstützen. Globale Nachbarschaft stellt einen Zuschuss von 2.000 EURO für die ergänzende Radioausstattung zur Verfügung und wird anregen, dass ACCS zukünftig selbst Einnahmen aus Radiowerbung erzielt.MitarbeiterBürgerradio

weiter… Das Bürgerradio geht ans Netz

Schreibe einen Kommentar